Nächtlicher Besuch unterm Futterhaus: Warum frisst der Igel plötzlich Vogelfutter? (Q&A zur Sommer-Dürre)

Nächtlicher Besuch unterm Futterhaus: Warum frisst der Igel plötzlich Vogelfutter? (Q&A zur Sommer-Dürre)

Es ist ein lauer Juli-Abend. Du sitzt auf der Terrasse, die Vögel schlafen bereits, als du plötzlich ein lautes Schmatzen und Knuspern unter deinem Vogelhaus hörst. Im Schein der Taschenlampe entdeckst du einen Igel, der genüsslich die heruntergefallenen Sonnenblumenkerne, Haferflocken und Rosinen der Vögel frisst.

Viele Gartenbesitzer freuen sich über diesen niedlichen Anblick und streuen am nächsten Abend sogar extra eine Handvoll Vogelfutter für den stacheligen Gast auf den Rasen. Doch Vorsicht! Was gut gemeint ist, ist für den Igel eine echte gesundheitliche Gefahr. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu diesem sommerlichen Phänomen.

Frage 1: Dürfen Igel überhaupt Vogelfutter fressen? Ein ganz klares Nein! Igel sind keine Nagetiere und auch keine Vegetarier. Sie gehören biologisch zu den Insektenfressern. Ihr gesamter Magen-Darm-Trakt ist ausschließlich auf die Verdauung von tierischen Proteinen und Fetten (wie Käfer, Raupen, Spinnen und Regenwürmer) ausgelegt. Vogelfutter besteht jedoch größtenteils aus pflanzlichen Kohlenhydraten (Körner, Flocken, Nüsse).

Frage 2: Warum frisst der Igel das Futter dann freiwillig? Der Igel frisst die Körner nicht, weil sie ihm schmecken, sondern aus purer Verzweiflung! Im Hochsommer (Juli und August) leiden wir oft unter langen Hitze- und Dürreperioden. Der Gartenboden wird steinhart. Regenwürmer, Schnecken und viele Insekten ziehen sich tief in feuchtere Erdschichten zurück, wo der Igel sie nicht mehr erreichen kann. Der Igel findet schlichtweg keine natürliche Nahrung mehr. Der intensive Geruch nach Nüssen und Fett unter dem Vogelhaus lockt den hungrigen und erschöpften Igel an. Er frisst das Vogelfutter, um nicht zu verhungern.

Frage 3: Was passiert, wenn der Igel zu viele Körner frisst? Da dem Igel die nötigen Enzyme fehlen, um pflanzliche Stärke und Kohlenhydrate aufzuspalten, liegt ihm das Vogelfutter wie ein Stein im Magen. Es gärt im Darm, verursacht schwere Koliken, Blähungen und Durchfall. Der Igel hat zwar einen vollen Bauch und das trügerische Gefühl der Sättigung, aber er verhungert paradoxerweise innerlich, weil sein Körper aus den Körnern keine lebenswichtigen Nährstoffe ziehen kann. Er wird immer schwächer.

Frage 4: Wie rette ich den hungernden Igel in der Sommer-Dürre? Wenn du abends einen Igel unter deinem Vogelhaus beobachtest, ist das ein lauter Hilferuf der Natur! Du solltest sofort eingreifen:

  1. Wasser aufstellen: Das Wichtigste bei Dürre ist Flüssigkeit. Stelle flache, schwere Schalen (aus denen er nicht kippen kann) mit frischem Wasser auf. Niemals Milch geben!

  2. Die richtige Nahrung: Füttere den Igel gezielt zu. Er braucht jetzt tierisches Protein. Du kannst ihm (als Erste Hilfe) hochwertiges Katzennassfutter (ohne Gelee, Soße oder Getreide!) anbieten oder noch besser: spezielles Igelfutter verwenden.

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